Der Kölner Anwaltverein und die Rechtsanwaltskammer Köln laden ein:
Lehren aus der Vergangenheit?
Die Anwaltschaft in der NS-Zeit und die Diskussion über die Resilienz
In zahlreichen Ländern werden rechtsstaatliche Positionen eingeschränkt. „Wenig Hans Kelsen (vgl. KAV-Magazin 01/2024), viel Carl Schmitt (vgl. KAV-Magazin 02 u. 03/2024)“, könnte man diese Entwicklung kurz beschreiben. Auch die Anwaltschaft ist hiervon betroffen. In Deutschland hat dies zu Diskussionen über die Stärkung der Rechtsposition der Anwaltschaft geführt, die sich auch in Veröffentlichungen niedergeschlagen haben (so etwa Beiträge im Anwaltsblatt 3/2025 und Buchmann/Nitschke, BRAK-Mitteilungen 2025, 414 ff.)
Einen wichtigen Beitrag lieferte auch unser Kollege Dr. Thomas Troidl aus Regensburg im Anwaltsblatt 3/2025, S. 202-204, „Krisenfestigkeit des Rechtsstaats und Resilienz der Anwaltschaft“. Er bezieht sich neben den aktuellen Beispielen insbesondere auf die deutschen Erfahrungen aus der NS-Zeit, als die Anwaltsvereinigungen sich schnell haben „gleichschalten“ lassen und mit der Rechtsanwaltsordnung von 1935 auch rechtlich ihre Unabhängigkeit verloren.
Hierzu hat Professor Dr. Frank Schäfer, LL.M. (Cambridge) aus Freiburg 2024 eine umfangreiche Studie mit dem Thema „Rechtsanwälte als Täter – Die Geschichte der Reichs-Rechtsanwaltskammer“ vorgelegt (Hrsg. BRAK). Er beleuchtet den „wirtschaftlichen Notstand“ der Anwaltschaft, an dessen Beseitigung die nationalsozialistische Diktatur trotz des antisemitisch motivierten Ausschlusses der jüdischen Anwaltschaft scheiterte.
Dieser Gedanke findet sich auch bereits im 2015 erschienenen und von der Rechtsanwaltskammer Köln geförderten Werk von Dr. Michael Löffelsender „Kölner Rechtsanwälte im Nationalsozialismus“. Soweit dies nach den Quellen möglich war, hat er die Aktivitäten der Kölner Anwaltschaft in der NS-Zeit erfasst. Der Autor ist seit 2012 als Historiker an der Gedenkstätte Buchenwald in Weimar tätig.
Über all dies soll am 30. Juni 2026 ab 17.30 Uhr bei einer Veranstaltung des Arbeitskreises Recht + Politik des Kölner Anwaltvereins, die von Gruß- bzw. Abschlussworten des Präsidenten des Oberlandesgerichts Köln Dr. Bernd Scheiff, des Präsidenten der Rechtsanwaltskammer Köln Dr. Thomas Gutknecht und des Vorsitzenden des Kölner Anwaltvereins Markus Trude begleitet wird, im Plenarsaal des Oberlandesgerichts Köln, Reichenspergerplatz 1, 50670 Köln, gesprochen und diskutiert werden.
Die Veranstaltung moderiert unser Kölner Kollege Dr. Hanswerner Odendahl, der sich nachhaltig mit der Aufarbeitung des NS-Unrechts von Juristen befasst und u.a. Initiator der im KAV-Magazin seit 2022 erschienenen entsprechenden Beiträge mit Juristen-Porträts ist. Auch besprach er im KAV-Magazin 03/2025 die Studie unseres Referenten Prof. Dr. Schäfer.
Wir freuen uns sehr, dass sich die Referenten zu Kurzvorträgen bereit erklärt haben. Hiernach gibt es die Möglichkeit der Erörterung und Diskussion. Bei Getränken und Canapés klingen die Gespräche aus.
Die Veranstaltung ist kostenfrei, bitte melden Sie sich aus organisatorischen Gründen aber rechtzeitig über unsere Website an. In Anbetracht des begrenzten Platzangebotes im Plenarsaal des OLG Köln werden Anmeldungen in der Reihenfolge ihres Einganges berücksichtigt.
Wir freuen uns auf einen interessanten Abend!